Bemerkenswert

… wir haben den Laden dicht gemacht!

Ab morgen 15.7. bis 31.7.2021 gibt’s einen Schlussverkauf in unserem shop:

ArtsandCeramics

Alle Produkte im shop zum halben Preis.

Wir bedanken uns bei unseren Kunden für ihr Vertrauen in unsere Produkte und wünschen weiterhin viel Freude an unserer Keramik. Viele Objekte, Gefäße, Skulpturen, Bilder, die Sie auf unserer website atelierreinhardt.com finden, sind weiterhin verkäuflich. Zögern sie nicht, per E-Mail mit uns Kontakt aufzunehmen:

Kontakt

Bemerkenswert

Kunsthandwerk :: Handwerkskunst?

Das „Kunsthandwerk“ erhebt seit Langem den Anspruch „eigentlich“ KUNST zu sein. Hier tritt deutlich ein Minderwertigkeitskomplex zu Tage, der nicht ohne Folgen für die kunsthandwerklichen Produkte bleibt. Eine auch noch so gut gemachte Schüssel, ein Krug, ein Teller, gar eine Kanne – was im Bereich der Keramik handwerklich und gestalterisch zum Schwierigsten gehört – lösen den Anspruch nicht ein, sind sie doch nur für den schnöden Gebrauch gedacht und gemacht. Gleiches gilt für alle anderen gestalterischen Handwerke wie Gold- und Silberschmied*innen oder Glasmacher*innen usw. …


Da Kunst aber „zweckfrei“ zu sein hat, reicht ein gut gestaltetes und funktionales Gebrauchsding nicht aus. Die Folge sind häufig bewusst unbrauchbare Gefäße oder nicht tragbarer Schmuck. Die Museen des Handwerks und die Kataloge von Westerwaldpreis oder der Danner-Stiftung sind voll von solchen Arbeiten.

Manche Kunsthandwerker*innen vollziehen den nötigen großen Schritt und lösen ihre Objekte los von jedem Zweck. Dann gibt es eine Chance, dass daraus KUNST entsteht. Warum nennen sie sich dann nicht Künstler*innen? Auch hierfür gibt es großartige Beispiele. Nicht jede Kunst braucht Material, aber Kunst, die Material braucht um sichtbar zu werden, braucht auch Handwerker*innen, die es beherrschen.

Kunst kommt eben nicht von „können“, sondern von „künstlich“ – von Menschenhand gemacht im Gegensatz zu natürlich entstanden. Die „Kunst“ das Material zu beherrschen ist für beide, Künstler*innen und Handwerker*innen, keine Kunst, sondern eine selbstverständliche Voraussetzung für die je eigene Arbeit.

HolzascheGlasuren #2

Planzliche Aschen bestehen großteils aus Mischungen alkalischer Flussmittel wie Pottasche, Kalk und Magnesiumoxid, sowie Silziumdioxid und Tonerde, die Glasbildner sind. Dazu kommen geringe Mengen von Metalloxiden, wie Eisenoxiden, die Glasuren die Farbe geben. Das Verhältnis von Ton und Siliziumdioxid zu den oben genannten Alkalien bestimmt in der Hauptsache den Charakter der Glasur.

Urnenvase
sandfarbene Glasur

Fichtenasche

Um eine brauchbare Asche zu erhalten muss die Asche gesiebt werden um organische Reste wie Holzkohle und andere anorganische Bestandteile zu entfernen. Danach wird die Asche mehrmals gewaschen um sie von der löslichen Pottasche zu befreien. Das Verhältnis der Anteile in der Asche und deren Menge variiert je nach Pflanze sehr stark und ermöglicht dadurch ein breites Spektrum unterschiedlicher Steinzeugglasuren. Die genaue Zusammsetzung der jeweiligen Asche ist natürlich nicht bekannt und so muss man seine Erfahrungen sammeln , was nur über das Experiment und Ausprobieren führen kann.

kleine Torsovase
grüne Ascheglasur

gemischte Asche aus dem Kachelofen

Im allgemeinen ergeben Baumrinde und kleine Zweige die besten Ergebnisse, je ausgewachsener die Pflanze ist, desto mehr Siliziumdioxid enthält die Asche. Natürlich spielt auch der Boden auf dem die Pflanze wächst eine große Rolle. Um eine relevante Menge an fertiger Glasur zu erhalten, sollte man die entsprechende Menge Material verbrennen um eine Reihe von Objekten im gleichen Charakter glasieren zu können.

Geeignet sind neben Holz auch Stroh, Gräser, Ried, im Grund jedes pflanzliche Material. Man kann es sortenrein verbrennen um ähnliche Ergebnisse zu erhalten, mischen um größere Mengen zu bekommen oder auch den Hausbrand aus dem Kachelofen oder Herd verwenden. Diese Aschen sind meist mehr verunreinigt und brauchen deshalb etwas mehr Aufmerksamkeit bei der Reingung durch Sieben und Waschen.

kleine quadratische Vase, Ascheglasur

Ofenasche mit Kobaltoxid

Verbrennt man Material im Freien auf sauberem Untergrund (z.B. Backsteinen) darf man das Feuer nicht stark schüren, die Ascheteilchen sind fein und extrem leicht und fliegen davon. Nach dem Verbrennen wird die Asche mit reichlich Wasser gemischt (geschlämmt). Obenauf schwimmende Holzkohleteilchen und Schlacke werden mit einem groben Sieb entfernt. Die Mischung wird umgeschüttet und Grieß und Sand, also schwerere Teilchen, bleiben als Bodensatz zurück.
Wir geben die Flüssigkeit dann durch ein feines Sieb (Maschenweite 0,25 – 0,15mm) – was ausgesiebt wird kann in’s nächste Feuer. Dann muss die Asche ein noch feineres Sieb (0,15 – 0,07mm) passieren, hier muss man meist ein wenig mit einer Bürste nachhelfen, um die Asche durch das Sieb zu bringen. Nach ein paar Stunden hat sich die Asche abgesetzt und man kann das Wasser, das jetzt die meisten wasserlöslichen Alkalien enthält, vorsichtig abgießen. Im Anschluss füllt man so oft frisches Wasser nach und wiederholt das Abgießen, bis das Wasser klar bleibt. Danach wird die Asche getrocknet und steht jetzt als Glasurbestandteil zur Verfügung.

Wird fortgesetzt …

handgedrehte Vase
grüne Ascheglasur

Fichtenholzasche mit Kupferoxid

HolzascheGlasuren #1

Die Töpferei gehört zu den ersten Handwerkskünsten. Anhand der bisher ältesten archäologischen Funde lässt sich der Beginn der Keramikherstellung auf die Zeit um 7000 v. Chr. datieren, die chinesische Keramik kann bis ins Jahr 2500 v. Chr. zurückverfolgt werden. Die ältesten glasierten Stücke tauchen allerdings erst um 1000 v. Chr. auf.

aus unserer Werkstatt. Blaue Ascheglasur

Alle prähistorische und historische Keramik hat natürlich auch das Feuer erlebt, anders hätten die Objekte nicht alle Zeiten überstanden. Wir können davon ausgehen, dass Keramik bis in die Neuzeit ganz überwiegend mit Holz befeuert wurde um die Mindestbrenntemperatur von ca. 700 Grad zu erreichen. Erst bei Erreichen dieser Temperatur hat sich das Gefüge des Tons unumkehrbar verfestigt.

Vorwiegend chinesische Töpfer entwickelten ihre Brennöfen im Lauf der Jahrhunderte immer weiter um höhere Brenntemperaturen zu erzielen. Steigende Temperaturen sorgen nicht nur für höhere Festigkeit des gebrannten Tons, nähern sie sich dem Schmelzpunkt beginnt das Material weich zu werden, es bäckt zusammen und verdichtet sich, der Vorgang wird als „sintern“ bezeichnet. Das macht die Keramik nicht nur sehr hart, sondern auch wasserdicht

Diese Temperaturen (1200 – 1300 Grad C) im Holz-Brennofen zu erreichen kann, je nach Größe des Ofens, mehrere Tage und Nächte ununterbrochenen Heizens bedeuten, die entsprechend große Menge Holz muss dabei verfeuert werden. Je höher die Temperatur im Ofen steigt, desto stärker wird der Zug der Gase von der Feueröffnung durch den Brennraum des Ofens bis zum Schornstein und Teile der beim Abbrand entstehenden Holzasche werden von diesem Zugwind durch den Ofen gewirbelt.

Nach dem Brand bemerkten die Töpfer, dass die Keramiken auf der dem Feuer zugewandten Seite häufig mit glasartigen Überzügen bedeckt waren, mal mehr mal weniger, je nachdem wie frei sie im Zugwind des Feuers gestanden hatten.

aus unserer Werkstatt:
hauchdünner Glasurüberzug durch Ascheanflug,
gut zu sehen wo die Keramik durch ein anderes Gefäß geschützt war.

Das war die Geburtsstunde der Ascheglasuren!

Treffen Ascheteilchen bei hohen Temperaturen auf die sinternden Keramikobjekte verbinden sich die in der Asche befindlichen Mineralien mit den Mineralien im Ton und können so diese Effekte erzeugen. Weil unterschiedliche Hölzer – und natürlich auch alle anderen Pflanzen – während ihres Wachstums teils sehr unterschiedliche Mineralien aufnehmen und in ihrer Substanz speichern, bewirkt die Wahl des Brennholzes oder der für Glasuren verwendete Asche Veränderungen von Qualität und Farbe der entstehenden Glasur.

Die chinesischen Töpfer entwickelten auf Basis dieser Erkenntnis empirisch – durch Versuch und Irrtum – ihre großartigen Ascheglasuren.
Wir wissen heute viel mehr über die prinzipielle chemische Zusammensetzung funktionierender Glasuren, welchen Effekt aber die Zugabe einer Pflanzenasche genau haben wird bleibt immer noch eine Überraschung …

Ascheglasur aus unserer Werkstatt

Die Bayerische Verfassung wird 75!

2. Dezember 2021

Hut ab – ein stattliches Alter! Unseren herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, liebe Verfassung!
Du hast dich gut gehalten all die Jahre, stehst da wie eine 1, faltenlos und kerngesund.

So schade, dass viele Bewohner:innen deines Landes dich nur vom Hörensagen kennen und nicht wissen was für ein Schatz du bist. Deinen sozialen Charakter, deine Empathie und deine praktische Veranlagung scheinen manchmal selbst die nicht zu kennen, die dir im Maximilianeum so nahe kommen – kann sein, sie hören dir nicht zu?

In so vielen deiner 188 Artikel sprichst du Dinge und Wahrheiten aus, die man gerne laut und deutlich auch mal aus Politikermund hören würde.

Artikel 106:

Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung.

Die Förderung des Baus billiger …Wohnungen ist Aufgabe des Staates und der Gemeinden

Artikel 141:

Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist, auch eingedenk der Verantwortung für die kommenden Generationen, der besonderen Fürsorge jedes einzelnen und der staatlichen Gemeinschaft anvertraut …
Boden, Wasser und Luft als natürliche Lebensgrundlagen zu schützen …
die heimischen Tier- und Pflanzenarten und ihre notwendigen Lebensräume sowie kennzeichnende Orts- und Landschaftsbilder zu schonen und zu erhalten.

Artikel 151:

Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl …

Gemeinschädliche und unsittliche Rechtsgeschäfte, insbesonders alle wirtschaftlichen Ausbeutungsverträge sind rechtswidrig und nichtig.

Artikel 157

Kapitalbildung ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Entfaltung der Volkswirtschaft.

Artikel 158

Eigentum verpflichtet gegenüber der Gesamtheit.
Offenbarer Mißbrauch des Eigentums- oder Besitzrechts genießt keinen Rechtsschutz.

Artikel 161

Die Verteilung und Nutzung des Bodens wird von Staats wegen überwacht. Mißbräuche sind abzustellen.

Steigerungen des Bodenwertes, die ohne besonderen Arbeits- oder Kapitalaufwand des Eigentümers entstehen, sind für die Allgemeinheit nutzbar zu machen

Artikel 168

Jede ehrliche Arbeit hat den gleichen sittlichen Wert und Anspruch auf angemessenes Entgelt. Männer und Frauen erhalten für gleiche Arbeit den gleichen Lohn.

Arbeitsloses Einkommen arbeitsfähiger Personen wird nach Maßgabe der Gesetze mit Sondersteuern belegt


Du machst deine Sache gut … schön, dass wir dich haben!
Aber vielleicht könntest du in Zukunft doch etwas lauter sein und dich durchsetzen, wenn hinter deinem Rücken mal wieder jemand … von dir nix weiß …

Bitte bleib wie du bist und lass dich nicht unterkriegen.

Deine Bayern

LAUDATO SI #6

Arbeit auf der Müllkippe/Indien – was-sollen-wir-tun.de

Auszüge aus der Enzyklika von Papst Franziskus

In den letzten Kapiteln dieses Abschnittes der Enzyklika geht es um die Verteilung der Kosten, die unsere Wirtschaftsweise mit sich bringt. „Dienstleistungen“ und Ressourcen von Natur und Umwelt wie sauberes Wasser werden rücksichtslos benutzt oder ausgebeutet, miserable Arbeitsbedingungen und Ausbeutung durch Niedrigstlöhne in den Ländern, die wichtige Rohstoffe besitzen oder ein Heer von rechtlosen Arbeiter*innen beherbergen zementieren Armut, Korruption und organisierte Kriminalität. Ganz allgemein: Kosten werden möglichst sozialisiert, die Gewinne privatisert.

195.

Das Prinzip der Gewinnmaximierung, das dazu neigt, sich von jeder anderen Betrachtungsweise abzukapseln, ist eine Verzerrung des Wirtschaftsbegriffs: Wenn die Produktion steigt, kümmert es wenig, dass man auf Kosten der zukünftigen Ressourcen oder der Gesundheit der Umwelt produziert; wenn die Abholzung eines Waldes die Produktion erhöht, wägt niemand in diesem Kalkül den Verlust ab, der in der Verwüstung eines Territoriums, in der Beschädigung der biologischen Vielfalt oder in der Erhöhung der Umweltverschmutzung liegt. Das bedeutet, dass die Unternehmen Gewinne machen, indem sie einen verschwindend kleinen Teil der Kosten einkalkulieren und tragen. Als ethisch könnte nur ein Verhalten betrachtet werden, in dem „die wirtschaftlichen und sozialen Kosten für die Nutzung der allgemeinen Umweltressourcen offen dargelegt sowie von den Nutznießern voll getragen werden und nicht von anderen Völkern oder zukünftigen Generationen“. Die zweckgebundene Rationalität, die nur eine statische Analyse der Wirklichkeit im Hinblick auf die aktuellen Bedürfnisse liefert, ist sowohl im Spiel, wenn es der Markt ist, der die Mittel zuteilt, als auch wenn dies ein planwirtschaftlich geführter Staat tut.

196.

Wir brauchen eine Politik, deren Denken einen weiten Horizont umfasst und die einem neuen, ganzheitlichen Ansatz zum Durchbruch verhilft, indem sie die verschiedenen Aspekte der Krise in einen interdisziplinären Dialog aufnimmt. Oft ist die Politik selbst für den Verlust ihres Ansehens verantwortlich, aufgrund von Korruption oder wegen des Mangels an guter öffentlicher Politik. {…]
Wenn die Politik nicht imstande ist, eine perverse Logik zu durchbrechen, und wenn auch sie nicht über armselige Reden hinauskommt, werden wir weitermachen, ohne die großen Probleme der Menschheit in Angriff zu nehmen. Eine Strategie für eine wirkliche Veränderung verlangt, die Gesamtheit der Vorgänge zu überdenken, denn es reicht nicht, oberflächliche ökologische Überlegungen einzubeziehen, während man nicht die Logik infrage stellt, die der gegenwärtigen Kultur zugrunde liegt. Eine gesunde Politik müsste fähig sein, diese Herausforderung anzunehmen.

198.

Die Politik und die Wirtschaft neigen dazu, sich in Sachen Armut und Umweltzerstörung gegenseitig die Schuld zuzuschieben. Was man jedoch erwartet, ist, dass sie ihre eigenen Fehler erkennen und Formen des Zusammenwirkens finden, die auf das Gemeinwohl ausgerichtet sind. Während die einen nur verzweifelt nach wirtschaftlicher Rendite streben und die anderen nur besessen darauf sind, die Macht zu bewahren oder zu steigern, haben wir als Ergebnis Kriege oder unlautere Vereinbarungen, bei denen es beiden Teilen am wenigsten darum geht, die Umwelt zu schützen und für die Schwächsten zu sorgen. […]

übrigens … heute, 29.7., ist Erd-Überlastungstag, was bedeutet, dass die jährlich erneuerbaren Ressourcen unserer Erde – wie beispielsweise aus dem Fischfang – heute verbraucht sind. Ab heute bis zum Jahresende leben wir also „auf Pump“. Wir verfrühstücken unsere Zukunft. Bezogen nur auf Deutschland wäre dieser Tag schon Ende Mai gewesen, wir in Deutschland verschulden uns also auch noch bei den ärmeren Ländern und fressen deren Anteil auch noch …

LAUDATO SI #5


Sumangali/Kinderarbeit in Indien (Fashion-Kleidung.blogspot.de)

Auszüge aus der Enzyklika von Papst Franziskus

Wichtigster Aspekt dieses Abschnitts ist die mangelnde Empathie und Solidarität der reichen Länder mit den Armen dieser Welt, auf deren Rücken ein Großteil der Gewinne erzielt werden. Sei es die Ausbeutung von Ressourcen über die Köpfe der einheimischen Bevölkerung hinweg oder die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft eben dieser Bevölkerung.

192.



Ein kreativerer und besser ausgerichteter Weg der Produktionsentwicklung könnte zum Beispiel die Tatsache korrigieren,
dass es einen übertriebenen technologischen Einsatz für den Konsum gibt und einen geringen, um die unerledigten Probleme der Menschheit zu lösen; er könnte kluge und rentable Formen von Wiederverwertung, Umfunktionierung und Recycling schaffen; er könnte die Energieeffizienz der Städte verbessern und vieles mehr.
Die breite Auffächerung der Produktion bietet der menschlichen Intelligenz äußerst vielfältige Möglichkeiten, zu gestalten und zu erneuern, während sie zugleich die Umwelt schützt und mehr Arbeitsplätze schafft. Das wäre eine Kreativität, die fähig ist, den eigentlichen Adel des Menschen neu erblühen zu lassen, denn es ist würdiger, mutig und verantwortungsvoll die Intelligenz einzusetzen, um im Rahmen eines weiteren Verständnisses dessen, was die Lebensqualität ausmacht, Formen nachhaltiger und gerechter Entwicklung zu finden.
Umgekehrt ist es eher unwürdig, oberflächlich und weniger kreativ, auf der Schaffung von Formen der Ausplünderung der Natur zu beharren, nur um neue Möglichkeiten des Konsums und der unmittelbaren Rendite zu bieten.

193.



[…] Wir wissen, dass das Verhalten derer, die mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht entsprechend ihrer Menschenwürde leben können, unvertretbar ist. Darum ist die Stunde gekommen, in einigen Teilen der Welt einen gewissen Wachstumsrückgang zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen ein gesunder
Aufschwung stattfinden kann.

194.


Damit neue Leitbilder für den Fortschritt aufkommen, müssen wir „das Modell globaler Entwicklung in eine [andere] Richtung … lenken“, was einschließt, „über den Sinn der Wirtschaft und über ihre Ziele nachzudenken, um Missstände und Verzerrungen zu korrigieren“.
Es genügt nicht, die Pflege der Natur mit dem finanziellen Ertrag oder die Bewahrung der Umwelt mit dem Fortschritt in einem Mittelweg zu vereinbaren. In diesem Zusammenhang sind die Mittelwege nur eine kleine Verzögerung des Zusammenbruchs. Es geht schlicht darum, den Fortschritt neu zu definieren.

Eine technologische und wirtschaftliche Entwicklung, die nicht eine bessere Welt und eine im Ganzen höhere Lebensqualität hinterlässt, kann nicht als Fortschritt betrachtet werden. Andererseits nimmt oft die wirkliche Lebensqualität der Menschen im Zusammenhang mit einem Wirtschaftswachstum ab, und zwar wegen der Zerstörung der Umwelt, wegen der niedrigen Qualität der eigenen Nahrungsmittel oder durch die Erschöpfung einiger Ressourcen. In diesem Rahmen pflegt sich die Rede vom nachhaltigen Wachstum in eine ablenkende und rechtfertigende Gegenrede zu verwandeln, die Werte der ökologischen Überlegung in Anspruch nimmt und in die Logik des Finanzwesens und der Technokratie eingliedert, und die soziale wie umweltbezogene Verantwortlichkeit der Unternehmen wird dann gewöhnlich auf eine Reihe von Aktionen zur Verbraucherforschung und Image-Pflege reduziert.

„LAUDATO SI“ #4

Auszüge aus der Enzyklika von Papst Franziskus

Eine der großen Lügen des Kapitalismus besteht in der Behauptung, dass, wenn nur die Wirtschaft genügend brumme, würde sich über den „Trickle Down Effect“ der Wohlstand schon ausreichend in die Gesamtgesellschaft hinein verbreiten, die Heilung der verbundenen Umweltschäden ließe sich ebenso nur durch weiteres Wachstum finanzieren. Die immer schneller auseinander gehende Schere zwischen Arm und Reich und die rasant zunehmende Umweltzerstörung erzählen die Geschichte jedoch anders … !

190.

In diesem Zusammenhang muss immer daran erinnert werden, dass „der Umweltschutz […] nicht nur auf der Grundlage einer finanziellen Kostennutzenrechnung gewährleistet werden [kann].
Die Umwelt ist eines jener Güter, die die Mechanismen des Markts nicht in der angemessenen Form schützen oder fördern können.“ Wieder einmal ist es gut, eine magische Auffassung des Marktes zu vermeiden, die zu der Vorstellung neigt, dass sich die Probleme allein mit dem Anstieg der Gewinne der Betriebe oder der Einzelpersonen lösen.
Ist es realistisch zu hoffen, dass derjenige, der auf den Maximalgewinn fixiert ist, sich mit dem Gedanken an die Umweltauswirkungen aufhält, die er den kommenden Generationen hinterlässt?
Innerhalb des Schemas der Rendite ist kein Platz für Gedanken an die Rhythmen der Natur, an ihre Zeiten des Verfalls und der Regenerierung und an die Kompliziertheit der Ökosysteme, die durch das menschliche Eingreifen gravierend verändert werden können. Außerdem wird, wenn von biologischer Vielfalt die Rede ist, diese letztlich als ein Reservoir wirtschaftlicher Ressourcen betrachtet, das ausgebeutet werden könnte, doch man erwägt nicht ernstlich den realen Wert der Dinge, ihre Bedeutung für die Menschen und die Kulturen, die Interessen und Bedürfnisse der Armen.

191.

Wenn diese Fragen aufgeworfen werden, reagieren einige mit der Anschuldigung, man wolle gegen alle Vernunft den Fortschritt und die menschliche Entwicklung aufhalten. Wir müssen uns jedoch davon überzeugen, dass die Verlangsamung eines gewissen Rhythmus von Produktion und Konsum Anlass zu einer anderen Art von Fortschritt und Entwicklung geben kann.
Die Anstrengungen für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen sind kein nutzloser Aufwand, sondern eine Investition, die mittelfristig andere wirtschaftliche Gewinne bieten kann. Wenn wir nicht engstirnig sind, können wir entdecken, dass die vielseitige Gestaltung einer mehr innovativen und weniger umweltschädlichen Produktion rentabler sein kann. Es geht darum, den Weg für andere Möglichkeiten zu öffnen, die nicht etwa bedeuten, die Kreativität des Menschen und seinen Sinn für Fortschritt zu bremsen, sondern diese Energie auf neue Anliegen hin auszurichten.

Ökologischer Fußabdruck – wie viel Fläche brauchen wir? — MuW-Nachrichten.de

Online-Vortrag anlässlich des Erdüberlastungstags Am Freitag, 23. Juli um 10 Uhr bietet der VerbraucherService Bayern im KDFB e.V. einen Online-Vortrag zum Thema „Ökologischer Fußabdruck – wie viel Fläche brauchen wir?“ an. Der ökologische Fußabdruck veranschaulicht unseren Umweltverbraucht. Seit Jahren verbrauchen wir mehr Ressourcen, als die Erde dauerhaft bereitstellen kann. Es ist höchste Zeit, Boden gut…

Ökologischer Fußabdruck – wie viel Fläche brauchen wir? — MuW-Nachrichten.de

„LAUDATO SI“ #3

Auszüge aus der Enzyklika von Papst Franziskus

Dieser Abschnitt geht explizit auf die Bankenkrise der Jahre 2007 – 2008 ein.

Die Unterwerfung der Wirtschaft unter das Finanzdiktat – häufig als „Turbokapitalsmus“ bezeichnet – ist die Grundlage der weltweiten Zunahme von Armut bei gleichzeitig beinahe exponenziell steigendem Reichtum weniger Superreicher.

Die Null-Zins-Politik enteignet die Mittelschicht, zwingt förmlich die „Investoren“ in den Wohn- und Gewerbe-Immobilienmarkt und ist Ursache für den Ausverkauf der landwirtschaftlichen Flächen (Bill Gates ist der größte Besitzer von Ackerland in den USA). Wohnungsnot bei riesigem Bauboom und enormer Flächenversiegelung ist die paradoxe Folge.

189.

Die Politik darf sich nicht der Wirtschaft unterwerfen, und diese darf sich nicht dem Diktat und dem effizienzorientierten Paradigma der Technokratie unterwerfen. Im Hinblick auf das Gemeinwohl besteht für uns heute die dringende Notwendigkeit, dass Politik und Wirtschaft sich im Dialog entschieden in den Dienst des Lebens stellen, besonders in den des menschlichen Lebens.
Die Rettung der Banken um jeden Preis, indem man die Kosten dafür der Bevölkerung aufbürdet, ohne den festen Entschluss, das gesamte System zu überprüfen und zu reformieren, unterstützt eine absolute Herrschaft der Finanzen, die keine Zukunft besitzt […] und nur neue Krisen hervorrufen kann. Die Finanzkrise von 2007-2008 war eine Gelegenheit für die Entwicklung einer neuen […] Wirtschaft und für eine Regelung der spekulativen Finanzaktivität und des fiktiven Reichtums.
Doch es gab keine Reaktion, die dazu führte, die veralteten Kriterien zu überdenken, die weiterhin die Welt regieren. Die Produktion ist nicht immer rational und pflegt an wirtschaftliche Variablen gebunden zu sein, die den Produkten einen Wert zuschreiben, der nicht ihrem wirklichen Wert entspricht. […]. Die Finanzblase pflegt auch eine Produktionsblase zu sein. […]

„LAUDATO SI“ #2

Auszüge aus der Enzyklika von Papst Franziskus

Ich freue mich mit dem folgenden Absatz ein besonderes Schmankerl anbieten zu können:
Es geht um nichts Geringeres als die Selbstermächtigung der Bevölkerung, vulgo Untertanen. Angesichts von Unfähigkeit und Korruption sind wir alle aufgerufen Druck zu machen, damit eine bessere Politik entsteht. Soziale Gerechtigkeit und ausreichenden Schutz der Umwelt gibt`s nur wenn der Druck von außen groß genug wird …

179.


An einigen Orten werden Kooperativen für die Nutzung erneuerbarer Energien entwickelt, welche die lokale Selbstversorgung einschließlich des Verkaufs der überschüssigen Produktion ermöglichen. Dieses einfache Beispiel zeigt:
Während die existierende Weltordnung sich als unfähig erweist, Verantwortungen zu übernehmen, kann die örtliche Instanz einen Unterschied machen.
Denn dort können sich in der Weise, wie man an das denkt, was man seinen Kindern und Enkeln hinterlässt, eine größere Verantwortlichkeit, ein starker Gemeinschaftssinn, eine besondere Fähigkeit zur Umsicht, eine großherzigere Kreativität und eine herzliche Liebe für das eigene Land bilden. Diese Werte sind in der einheimischen Bevölkerung sehr tief verwurzelt.


Da sich das Recht aufgrund der Korruption manchmal als ungenügend erweist, ist eine politische Entscheidung auf Druck der Bevölkerung erforderlich. Über Nichtregierungsorganisationen und intermediäre Verbände muss die Gesellschaft die Regierungen verpflichten, rigorosere Vorschriften, Vorgehensweisen und Kontrollen zu entwickeln.
Wenn die Bürger die nationale, regionale und kommunale politische Macht nicht kontrollieren, ist auch keine Kontrolle der Umweltschäden möglich. Andererseits können die Gesetze der Gemeinden wirksamer sein, wenn Vereinbarungen zwischen benachbarten Ortschaften bestehen, um die gleiche Umweltpolitik zu unterstützen.

Ja, glauben Sie es ruhig, das hat Papst Franziskus WIRKLICH geschrieben.

Die Liste der angesprochenen NGOs, Vereine und Verbände; die sich – teils schon sehr erfolgreich – für Umwelt-, Politik- und soziale Themen engagieren ist lang und vielfältig, Wahlen stehen vor der Tür – vielleicht ist es doch auch nicht ganz egal wo wir unser Kreuzchen machen …