„LAUDATO SI“ #4

Auszüge aus der Enzyklika von Papst Franziskus

Eine der großen Lügen des Kapitalismus besteht in der Behauptung, dass, wenn nur die Wirtschaft genügend brumme, würde sich über den „Trickle Down Effect“ der Wohlstand schon ausreichend in die Gesamtgesellschaft hinein verbreiten, die Heilung der verbundenen Umweltschäden ließe sich ebenso nur durch weiteres Wachstum finanzieren. Die immer schneller auseinander gehende Schere zwischen Arm und Reich und die rasant zunehmende Umweltzerstörung erzählen die Geschichte jedoch anders … !

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In diesem Zusammenhang muss immer daran erinnert werden, dass „der Umweltschutz […] nicht nur auf der Grundlage einer finanziellen Kostennutzenrechnung gewährleistet werden [kann].
Die Umwelt ist eines jener Güter, die die Mechanismen des Markts nicht in der angemessenen Form schützen oder fördern können.“ Wieder einmal ist es gut, eine magische Auffassung des Marktes zu vermeiden, die zu der Vorstellung neigt, dass sich die Probleme allein mit dem Anstieg der Gewinne der Betriebe oder der Einzelpersonen lösen.
Ist es realistisch zu hoffen, dass derjenige, der auf den Maximalgewinn fixiert ist, sich mit dem Gedanken an die Umweltauswirkungen aufhält, die er den kommenden Generationen hinterlässt?
Innerhalb des Schemas der Rendite ist kein Platz für Gedanken an die Rhythmen der Natur, an ihre Zeiten des Verfalls und der Regenerierung und an die Kompliziertheit der Ökosysteme, die durch das menschliche Eingreifen gravierend verändert werden können. Außerdem wird, wenn von biologischer Vielfalt die Rede ist, diese letztlich als ein Reservoir wirtschaftlicher Ressourcen betrachtet, das ausgebeutet werden könnte, doch man erwägt nicht ernstlich den realen Wert der Dinge, ihre Bedeutung für die Menschen und die Kulturen, die Interessen und Bedürfnisse der Armen.

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Wenn diese Fragen aufgeworfen werden, reagieren einige mit der Anschuldigung, man wolle gegen alle Vernunft den Fortschritt und die menschliche Entwicklung aufhalten. Wir müssen uns jedoch davon überzeugen, dass die Verlangsamung eines gewissen Rhythmus von Produktion und Konsum Anlass zu einer anderen Art von Fortschritt und Entwicklung geben kann.
Die Anstrengungen für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen sind kein nutzloser Aufwand, sondern eine Investition, die mittelfristig andere wirtschaftliche Gewinne bieten kann. Wenn wir nicht engstirnig sind, können wir entdecken, dass die vielseitige Gestaltung einer mehr innovativen und weniger umweltschädlichen Produktion rentabler sein kann. Es geht darum, den Weg für andere Möglichkeiten zu öffnen, die nicht etwa bedeuten, die Kreativität des Menschen und seinen Sinn für Fortschritt zu bremsen, sondern diese Energie auf neue Anliegen hin auszurichten.

„LAUDATO SI“

Auszüge aus der Enzyklika von Papst Franziskus

In den nächsten Tagen und Wochen werden hier fortlaufend Auszüge aus der Enzyklika veröffentlicht werden.
„Laudato Si“ ist so explizit politisch und zukunftsweisend, dass sie für diese Wahlkampfzeiten entscheidende Impulse geben kann und sollte. Es zeigt sich, dass zumindest der Kopf der katholischen Kirche die „Bewahrung der Schöpfung“ ernst nimmt. Vielleicht tun es die Parteien mit dem C ja auch irgendwann …

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Das Drama der auf unmittelbare Ergebnisse ausgerichteten politischen Planung, die auch von Konsumgesellschaften vertreten wird, führt zu der Notwendigkeit, kurzfristig Wachstum zu erzeugen. Mit Rücksicht auf die Wahlen setzen die Regierungen sich nicht leicht der Gefahr aus, die Bevölkerung mit Maßnahmen zu verärgern, die dem Konsumniveau schaden oder Auslandsinvestitionen gefährden können.
Die Kurzsichtigkeit beim Aufbau der Macht bremst die Aufnahme eines Umweltprogramms mit weiter Perspektive in die öffentliche Tagesordnung der Regierungen.

So vergisst man, dass „die Zeit mehr wert ist als der Raum“; dass wir immer dann fruchtbarer sind, wenn wir uns mehr darum kümmern, Prozesse auszulösen, als Räume der Macht zu beherrschen.
Die politische Größe zeigt sich, wenn man in schwierigen Momenten nach bedeutenden Grundsätzen handelt und dabei an das langfristige Gemeinwohl denkt. Diese Pflicht in einem Projekt der Nation auf sich zu nehmen, kostet die politische Macht einen hohen Preis.“

Von schwierigen Momenten im Umwelt- und im sozialen Bereich wimmelt es nur so …
es ist höchste Zeit das Gemeinwohl in den Vordergrund zu stellen und den Preis zu bezahlen.

Mal sehen welche Parteien diesen Preis zu zahlen bereit sind!

Was kostet die CO2-Steuer wirklich?

die weltweite CO2-Verteilung – Quelle: Nasa

Mehr Klimaschutz bringt höhere finanzielle Belastungen mit sich.
FDP-Chef Lindner musste für seine Berechnung der Mehrkosten durch eine höhere CO2-Abgabe viel Kritik einstecken.

… und seine Rechnung ist aus mehreren Gründen sehr fragwürdig.

Lindner multiplizierte den vermuteten Pro-Kopf-Ausstoß von elf Tonnen CO2 pro Jahr mit den 35 Euro, um die – unter anderen – die Grünen die aktuelle CO2-Abgabe anheben wollen. Daraus ergeben sich 11 mal 35, also 385 Euro. Diese 385 Euro nimmt er mal vier (für einen Vier-Personen-Haushalt) und präsentiert mit den Worten „dann sind das 1540,- Euro pro Person“ seinen Taschenrechner.

Wie hoch ist die Belastung für jeden einzelnen Bürger wirklich?

Weder stößt ein Bundesbürger im Schnitt elf Tonnen CO2 pro Jahr aus, noch werden ihm diese über die CO2-Abgabe in Rechnung gestellt. Auf einen solchen Durchschnittswert kommt man nur, indem man den Gesamtausstoß klimaschädlicher Gase in Deutschland durch die Zahl der Einwohner teilt. Das Statistische Bundesamt beziffert den CO2-Pro-Kopf-Ausstoß in Deutschland für das Jahr 2019 auf 7,9 Tonnen.

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Die CO2 Bepreisung könnte viele Probleme lösen!

Luftbelastung, Plastikmüll, Landwirtschaft

8. Juni 2021

eine Studie zeigt auf: wie wir Wirtschaften erzeugt riesige Folgekosten für die Allgemeinheit.

Ressourcenverbrauch, Schadstoffaustoß und CO2-Emissionen kosten die Gesamtgesellschaft dreistellige Milliardenbeträge – Jahr für Jahr!

Die Autoren der Studie empfehlen durch eine „nachhaltige Steuerreform“ diese Kosten an die Allgemeinheit zurückzugeben.

Die Grünen stimmen dem zu und wollen eine klimafreundliche Finanzreform umsetzen.
Sven-Christian Kindler, haushaltspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion:
„Dazu gehört ein deutlich höherer CO2-Preis mit fairer, sozialer Rückverteilung sowie der konsequente Abbau von umweltschädlichen Subventionen. Das sind Relikte aus einem fossilen Zeitalter, die wir uns angesichts der Klimakrise, aber auch in Bezug auf eine nachhaltige Haushaltsfinanzierung nicht länger leisten können“.

Das Forschungsprojekt „Ariadne“ benennt vier Handlungsfelder

  • Erhöhung der CO2-Preise im Emissionshandel, sie sollen die durch den Klimawandel verursachten Schäden abbilden. Der Ausstoß einer Tonne CO2 richtet Schäden an im Wert von mehr als 150 €
  • Konkrete Einbeziehung von Treibhausgasen und anderen Umweltschäden in der Landwirtschaft.
  • Neuausrichtung der Steuern und Abgaben im Stromsektor. Hohe Strompreise behindern den Umstieg auf klimafreundliche Technologien wie Elektroautos oder Wärmepumpen.
  • Mautsysteme im Verkehrssektor, weil die Schäden bei weitem über den Ausstoß von CO2 hinausgehen. Staus, Lärm, Schäden an der Infrastruktur.

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Kinder klagen für das Klima

„Erster Erfolg für Klimaklage von Kindern beim Gerichtshof für Menschenrechte

Die jüngste Klägerin ist gerade mal acht Jahre alt: Sechs Kinder und Jugendliche aus Portugal gehen mit einer außergewöhnlichen Klimaklage gegen Deutschland und 32 weitere Staaten vor. Nun haben sie einen Etappenerfolg erzielt.

Sechs Kinder und Jugendliche aus Portugal setzen Deutschland und weitere 32 Länder Europas im Kampf gegen den Klimawandel unter Druck: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg gab grünes Licht für ihre außergewöhnliche Klage gegen Deutschland und 32 weitere Länder. Er entschied, mit der Anfang September eingereichten Klage fortzufahren. Man werde der Beschwerde wegen der Wichtigkeit und Dringlichkeit der aufgeworfenen Fragen Priorität einräumen, teilte der EGMR mit. Die betroffenen Länder haben nun bis Ende Februar Zeit, um sich zu den Vorwürfen zu äußern.“

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